SORA GER

Die einheitliche Risikobewertung SORA-GER stellt eine Grundlage zur Bewertung der Risiken des Betriebs von unbemannten Fluggeräten dar.


SORA-GER soll gemäß Nummer 3 der Gemeinsamen Grundsätze des Bundes und der Länder für die Erteilung von Erlaubnissen und die Zulassung von Ausnahmen zum Betrieb von unbemannten Fluggeräten gemäß § 21a und § 21b LuftVO genutzt werden, um einerseits dem Betreiber des Fluggeräts Aufschluss über das Risiko seines Vorhabens für Personen am Boden sowie andere Luftverkehrsteilnehmer zu geben und um andererseits der erlaubniserteilenden Landesluftfahrtbehörde objektive Kriterien zur Bewertung zu ermöglichen.


Siehe NFL 1-1163-17.

1a) Bestimmung der unkorrigierten Risikoklasse Boden (Ground Risk Class - GRC) des unbemannten Fluggeräts

Die unkorrigierte GRC eines unbemannten Fluggeräts bezieht sich auf das Risiko, das ein außer Kontrolle geratenes unbemanntes Fluggerät auf Menschen am Boden haben kann. Die unkorrigierte GRC ergibt sich aus der Summe von drei Risikokomponenten, die von der Startmasse des unbemannten Fluggeräts sowie von zwei betrieblichen Aspekten abhängig sind.

Erläuterungen zu 1a)

Als Risiko-Gebiete gelten:
  • Wohngrundstücke
  • geschlossene Ortschaften
  • alle in § 21b Absatz 1 Nummer 2 LuftVO (außer Menschenansammlungen) aufgeführten Gebiete
  • alle in § 21b Absatz 1 Nummer 3 und 5 LuftVO aufgeführten Gebiete
Hinweis: In besonderen Fällen kann die Risikobewertung in diesem Verfahren spezielle Risiken des Überflugs der hier aufgeführten Risiko-Gebiete nicht vollumfänglich abdecken. Es können zusätzliche Risikominimierungsstrategien vonnöten sein. Dies gilt insbesondere für den Überflug von Industrieanlagen, Bundeswasser- oder Bundesfernstraßen, wenn die Einhaltung der folgends formulierten speziellen Bedingungen nicht gewährleistet werden kann.

Die Einhaltung einer von zwei folgenden speziellen Bedingungen rechtfertigen eine geringere GRC-Einstufung:
  • 1:1-Regel (nur für den Überflug von Menschenansammlungen und Infrastruktur): Die Höhe des Fluggeräts über Grund ist stets kleiner als der seitliche Abstand zur Menschenansammlung / Infrastruktur und der seitliche Abstand zur Menschenansammlung / Infrastruktur ist stets größer als 10 m. Es erfolgt kein direkter Anflug auf die Menschenansammlung zu.
  • Zügiger Überflug von Infrastruktur: Die Infrastruktur wird zügig überflogen (d. h., ohne jegliches Verweilen über dem betreffenden Verkehrsweg), zu Wasser-, Kraft und Schienenfahrzeugen wird mindestens 50 m seitlicher Abstand eingehalten, während das Fluggerät mindestens 50 m über Grund betrieben wird und Schifffahrtsanlagen (z. B. Schleusen, Schiffshebewerke und Wehre) nicht überflogen werden.
Der Betrieb erfolgt außerhalb der Sichtweite des Steuerers, wenn der Steuerer das unbemannte Fluggerät ohne besondere optische Hilfsmittel nicht mehr sehen oder seine Fluglage nicht mehr eindeutig erkennen kann. Bei Schlechtwetterlagen mit Niederschlägen bzw. bei Nebel ist mit Einschränkungen der Sichtweite zwischen Steuerer und unbemanntem Fluggerät zu rechnen.
Startmasse des unbemannten Fluggeräts:
Befindet sich das Fluggerät innerhalb der Sichtweite des Steuerers?
Was wird überflogen?
Werden spezielle Bedingungen eingehalten?
Werden spezielle Bedingungen eingehalten?

1b) Anpassung der Risikokategorie „Boden“ aufgrund von schadenshemmenden Sicherheitsmaßnahmen

Im Folgenden wird dargestellt, wie sich am konkreten unbemannten Fluggerät vorhandene schadenshemmende Maßnahmen, Vorrichtungen und Einrichtungen auf die Risikobewertung hinsichtlich der GRC auswirken.

Erläuterungen zu 1b)

  1. z.B. Aufprallschutz, Rotoren gekapselt, Airbag
  2. z.B. Fallschirm oder andere fallhemmende Systeme, wobei der Betrieb unterhalb der Mindestauslösehöhe (z. B. Auf- und Abstieg), ggf. besonderen Sicherheitsanforderungen bedarf
  3. z.B. sicherheitsorientierter, bewusster Einsatz von Geofencing mit Return-To-Home Funktion, einprogrammierte Notfalllandung an vorher definierten Orten oder angebundene Systeme oder Hinderniserkennung
  4. Durch geeignete Absperrungen und/oder Warnhinweise werden unbeteiligte Dritte, die vorher nicht über den Betrieb informiert worden sind, von der Betriebstätte ferngehalten. Ein Betreten uninformierter Personen wird ausgeschlossen, z. B. durch geeignete Absperrungen und Warnhinweise, Fangzäune oder Fangnetze

Schadenshemmung GRC

Ausmaß des Schadens bei Aufprall auf Menschen wird gesenkt
Wahrscheinlichkeit des Zusammenstoßes mit Menschen wird reduziert

2a) Bestimmung der unkorrigierten Risikoklasse Luft (Air Risk Class, ARC) des unbemannten Fluggeräts

Die unkontrollierte Air Risk Class eines unbemannten Fluggeräts spiegelt das Kollisionsrisiko mit einem bemannten Luftfahrzeug wider, wenn das unbemannte Fluggerät außer Kontrolle gerät. Eine qualitative Methode zur Bestimmung der ARC wird in Tabelle 2 dargestellt.

Erläuterungen zu 2a)

  1. IFR-Flugverkehr wird als möglich erachtet, wenn das unbemannte Fluggerät oberhalb von 300 m über Grund oder innerhalb von IFR-Anflugsektoren eingesetzt wird.
  2. VFR-Flugverkehr ist relevant
    • oberhalb von 300 m über Grund
    • innerhalb von CTR oder ATZ
    • 5 km um Flugplätze
    • in der Nähe von weiteren Orten mit erfahrungsgemäß hohem VFR Verkehrsaufkommen, wie:
      • PIS und typische Helikopterstrecken (insbesondere in der Nähe von Krankenhäusern), markante Sichtflugpunkte oder -strecken
      • Sichtanflugstrecken
      • Pflichtmeldepunkte
      • typische Segel-, Gleitschirm- und Hängegleiterfluggebiete
IFR möglich 1 Flugplatz im Umkreis von 1,5km Relevanter VFR-Verkehr 2 Flughöhe
Ja Ja
Ja Nein
Nein Ja
Nein Nein Ja
Nein Nein Nein > 100 m
Nein Nein Nein < 100 m
Nein Nein Nein < 100 m und geringer als das höchste Gebäude in 100 m Entfernung

2b) Anpassung der Risikokategorie „Luft“ aufgrund von schadenshemmenden Sicherheitsmaßnahmen

Analog zum vorigen Schritt wird hier dargestellt, wie sich am konkreten unbemannten Fluggerät vorhandene schadenshemmende Maßnahmen, Vorrichtungen und Einrichtungen auf die Risikobewertung hinsichtlich der ARC auswirken.

Erläuterungen zu 2b)

  1. z. B. Airbag, besonders leichte Bauweise oder besondere Eigenschaften hinsichtlich leichter und dennoch sicherer Zerbrechlichkeit
  2. mindestens zwei Elemente aus 1)
  3. passive Vermeidung:
    • optische Auffälligkeit (z. B. durch spezielle Beleuchtung oder bei hinreichender Größe des Fluggeräts besonders kontrastreiche Farbe, bei Nacht a) Beleuchtung nach Anhang SERA.3215 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012)
    • elektronische Sichtbarkeit, (z. B. durch Transponder, FLARM, ADS-B)
    • für den Betrieb sinnvoll eingesetzte Software, wie z. B. Geofencing
  4. aktive Vermeidung (D & A) oder mindestens je ein Element aus den drei Bereichen der passiven Vermeidung

Tabelle 2a) allein stellt keine Grundlage dafür dar, den Betrieb eines unbemannten Fluggeräts in einem Luftraum zu erlauben, ohne über die erforderliche Ausrüstung für den Einsatz in diesem Luftraum zu verfügen. In jedem Fall muss der Antragsteller sicherstellen, dass neben der Einhaltung der Anforderungen aus dem SORA-GER-Verfahren zusätzlich allen gesetzlichen Bestimmungen entsprochen wird.

a) Definition der Nacht gemäß Artikel 2 Nummer 97 der Verordnung (EU) Nr. 923/2012, in der jeweils gültigen Fassung: „Die Stunden zwischen dem Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und dem Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung. Die bürgerliche Dämmerung endet am Abend und beginnt am Morgen, wenn sich die Mitte der Sonnenscheibe 6° unter dem Horizont befindet.

Schadenshemmung ARC

Ausmaß des Schadens bei Zusammenstoß mit bemannten Luftfahrzeugen wird gesenkt
Wahrscheinlichkeit des Zusammenstoßes mit bemannten Luftfahrzeugen wird reduziert

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